Förderung Digitalisierung Berlin: Was 2026 noch läuft
Kurz gesagt: Einen allgemeinen Digitalisierungszuschuss für kleine Berliner Firmen gibt es im Oktober 2026 nicht mehr. Digitalprämie und Berliner InvestitionsBONUS sind beendet. Übrig sind der Transfer BONUS für technologieorientierte KMU, der GründungsBONUS Plus für junge Firmen, die BAFA-Beratungsförderung mit 50 Prozent sowie Kredite von IBB und KfW.
Wer 2022 seine Kasse oder den Onlineshop zur Hälfte von der Digitalprämie Berlin bezahlt bekommen hat, sucht 2026 vergeblich nach einer Neuauflage. Die Handwerkskammer Berlin schreibt es auf ihrer Förderseite ohne Umschweife: Die Programme für Digitalisierungsinvestitionen seien wegen der angespannten Haushaltslage bei Bund und Land „leider eingestellt“ worden.
Das heißt nicht, dass es gar nichts mehr gibt. Aber die Töpfe, die heute offen sind, passen nur zu bestimmten Firmen. Ein Friseursalon in Neukölln bekommt für ein Buchungssystem keinen Zuschuss mehr. Ein Softwarebüro, das mit einer Hochschule einen Prototyp baut, durchaus.
Welche Förderung für Digitalisierung gibt es in Berlin noch?
Stand Oktober 2026 sind diese Programme offen, die für Digitalisierungsprojekte kleiner Berliner Firmen in Frage kommen. Die Zahlen stammen von den Programmseiten der IBB, der IBB Business Team GmbH, des BAFA und der KfW.
| Kriterium | Art | Quote / Höhe | Für wen |
|---|---|---|---|
| Transfer BONUS, Variante Digitalisierung | Zuschuss | bis 70 %, max. 45.000 € | technologieorientierte KMU, einmal je Firma |
| GründungsBONUS Plus | Zuschuss | 50 %, max. 50.000 € | Gründungen bis 18 Monate, digitales oder technisches Modell |
| BAFA Unternehmensberatung | Zuschuss | 50 % von max. 3.500 € | alle KMU, auch Freiberufler |
| Mikrokredit aus dem KMU-Fonds | Kredit | bis 50.000 € | Gründungen und kleine Berliner Firmen |
| KfW ERP-Förderkredit Digitalisierung | Kredit + Zuschuss | Zuschuss 3 % oder 5 % ab Stufe 2 | KMU und Freiberufler |
| Berlin Kredit Transformation | Kredit | i. d. R. 50.000 € bis 10 Mio. € | KMU mit Wachstumsvorhaben |
Quelle: IBB, IBB Business Team, BAFA, KfW; Programmseiten abgerufen im Oktober 2026
Auffällig ist, was fehlt: ein einfacher Zuschuss für Hard- und Software im Laden oder im Büro. Genau das war die Digitalprämie. Wer die Geschichte dieses Programms nachlesen will, findet sie im Beitrag zur beendeten Digitalprämie und ihren Nachfolgern.
Was beendet ist und nicht wiederkommt
Die Liste der Programme, die in alten Ratgebern noch auftauchen, ist länger als die der aktiven:
- Digitalprämie Berlin: Anträge waren laut IBB bis spätestens 31.12.2023 möglich, heute gar nicht mehr.
- Berliner InvestitionsBONUS: Das Antragssystem ist geschlossen, das Programm „wurde beendet und wird nicht wieder neu aufgelegt“.
- Coaching BONUS: steht nicht mehr in der Programmliste der IBB Business Team.
- go-digital (Bund): Die letzte Verlängerung reichte bis Ende 2024.
- Mittelstand-Digital Zentrum Berlin: Die Bundesförderung endete am 30.09.2026.
Ärgerlich ist das vor allem für Einzelhandel, Gastronomie und Handwerk. Für diese Branchen war der InvestitionsBONUS ausdrücklich gedacht. Wer hier ein Kassensystem oder eine Warenwirtschaft anschaffen will, landet heute bei Krediten oder bei der Steuer.
Transfer BONUS: der stärkste Zuschuss, aber nicht für jeden
Die Digitalisierungsvariante des Transfer BONUS zahlt bis zu 70 Prozent der Kosten, höchstens 45.000 Euro. Das klingt nach dem Ersatz für die Digitalprämie. Ist es nicht.
Antragsberechtigt sind technologieorientierte KMU mit Sitz in Berlin. Nicht technologieorientierte Firmen kommen laut Programmseite nur „in begründeten Ausnahmefällen“ zum Zug, wenn das Projekt einen klaren Technologie- oder Innovationsbezug hat. Den Auftrag führen Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder technologieorientierte Entwicklungsdienstleister aus. Die Webagentur um die Ecke, die ein WordPress-Theme anpasst, gehört normalerweise nicht dazu.
Gefördert werden Themen wie Sensorik, eingebettete Systeme, Mensch-Maschine-Schnittstellen oder Software- und Systementwicklung inklusive Sicherheit. Jede Firma darf die Digitalisierungsvariante einmal nutzen. Beginnen darf das Projekt erst nach der Bewilligung, und die aktuelle Richtlinie läuft mit dem 31. Dezember 2026 aus. Unsere Einschätzung: Für eine Tischlerei, die eine Maschine mit Sensoren nachrüsten und die Daten auswerten will, lohnt das Gespräch mit dem Transfer-BONUS-Team. Für einen Onlineshop eher nicht.
Für Gründungen: GründungsBONUS Plus und Mikrokredit
Junge Firmen haben es etwas leichter. Der GründungsBONUS Plus der IBB übernimmt 50 Prozent der Ausgaben, die in den zwei Jahren ab Antragseingang anfallen, höchstens 50.000 Euro. Die Firma darf beim Antrag nicht älter als 18 Monate sein, und das Geschäftsmodell muss technologisch, digital, kreativ oder sozial sein. Förderfähig sind auch Personalkosten, für Gründerinnen und Geschäftsführer allerdings nur bis 2.000 Euro im Monat.
Ein klassischer Imbiss mit neuer Kasse fällt nicht darunter. Eine Gründerin, die eine Buchungsplattform für Berliner Kitas aufbaut, schon eher.
Kombinieren lässt sich das mit dem Mikrokredit aus dem KMU-Fonds: bis 50.000 Euro, sechs Jahre Laufzeit, ein Jahr tilgungsfrei, ohne bankübliche Sicherheiten, aber mit selbstschuldnerischer Bürgschaft. Die IBB weist auf ihrer Seite darauf hin, dass die Bearbeitung wegen vieler Anträge derzeit länger dauern kann. Wer im Frühjahr Geld braucht, sollte im Winter beantragen.
Was der Bund beisteuert
Zwei Bundesprogramme sind für Berliner Kleinbetriebe realistisch.
Die BAFA-Förderung von Unternehmensberatungen läuft bis zum 31. Dezember 2026. Für Berlin gilt der Satz der alten Bundesländer: 50 Prozent von höchstens 3.500 Euro Beratungskosten, also maximal 1.750 Euro Zuschuss. Viele Ratgeber nennen pauschal 80 Prozent für „Ostdeutschland“, aber Berlin ist davon ausdrücklich ausgenommen. Die Details stehen im Artikel zur BAFA-Beratungsförderung in Berlin.
Der ERP-Förderkredit Digitalisierung der KfW (Programmnummern 511 und 512) finanziert Hardware, Software, Cloud-Umzug und IT-Sicherheit. In Stufe 1, der Basisdigitalisierung, gibt es nur einen günstigen Kredit, und vorher muss der kostenlose KfW-Digitalisierungs-Check gemacht werden. Ab Stufe 2 zahlt die KfW zusätzlich einen Zuschuss von 3 Prozent auf den ausgezahlten Betrag, in Stufe 3 sind es 5 Prozent, gedeckelt bei 200.000 Euro. Ein Mindestbetrag ist für die Variante 511 nicht vorgesehen, beantragt wird über die Hausbank. Die Programmseite der KfW zum ERP-Förderkredit Digitalisierung listet die Fördergegenstände je Stufe.
Die unterschätzte Förderung: Abschreibung im ersten Jahr
Seit dem BMF-Schreiben vom 22. Februar 2022 darf für Computerhardware samt Peripheriegeräten und für Software eine Nutzungsdauer von einem Jahr angesetzt werden. Ein Laptop, ein Kassen-PC oder eine Softwarelizenz mindert damit den Gewinn komplett im Jahr der Anschaffung. Formal ist das keine Sofortabschreibung, sondern eine normale Abschreibung über ein Jahr. Für dich läuft es aufs Gleiche hinaus.
Für eine Einzelunternehmerin mit einem persönlichen Grenzsteuersatz von 35 Prozent bedeutet das: Von 4.000 Euro Hardware holt sie sich rechnerisch rund 1.400 Euro über die Einkommensteuer zurück. Kein Antrag, keine Bewilligung, kein Windhundverfahren. Den passenden Satz für deinen Fall kennt die Steuerberatung.
- Kassensystem, Tablets, Drucker, Lizenzen
- 6.000 €
- Beratung zur Prozessumstellung
- 3.500 €
- BAFA-Zuschuss (50 % von 3.500 €)
- − 1.750 €
- Steuerersparnis durch Abschreibung über ein Jahr (35 % von 6.000 €)
- − 2.100 €
- Verbleibende Belastung
- 5.650 €
Annahmen: 6.000 € netto Hardware und Software, die als Computerhardware oder Software im Sinne des BMF-Schreibens gelten, BAFA-Beratung für 3.500 €, Grenzsteuersatz 35 %. Vereinfachte Rechnung ohne Gewerbesteuer.
Die Beratung selbst ist Betriebsausgabe und mindert den Gewinn ebenfalls, das ist in der Rechnung bewusst weggelassen. Trotzdem zeigt sie das Muster: Ohne die Digitalprämie trägt die Steuer heute den größten Teil der Entlastung.
So gehst du vor, bevor du einen Auftrag vergibst
Die meisten Förderanträge scheitern nicht am Inhalt, sondern an der Reihenfolge. Diese Schritte sparen Ärger:
- Vorhaben in zwei Sätzen beschreibenWas wird angeschafft oder entwickelt, und welches Problem löst es im Betrieb?
- Kostenlos beraten lassenIBB-Kundenberatung, IHK Berlin, Handwerkskammer oder Digitalagentur Berlin.
- Programm wählenZuschuss, Kredit oder nur Abschreibung. Oft ist es eine Kombination.
- Antrag stellenErst danach Angebote unterschreiben. Beim BAFA zählt schon der Vertrag als Beginn.
- Belege sammelnRechnungen, Zahlungsnachweise und Bericht für den Verwendungsnachweis.
Eine Liste der kostenlosen Anlaufstellen mit Adressen und Schwerpunkten steht im Ratgeber zur kostenlosen Digitalisierungsberatung in Berlin. Wer das Vorhaben mit Software lösen will, die es so nicht fertig zu kaufen gibt, kann sich zusätzlich bei Studios für individuelle Softwareentwicklung ein technisches Zweitgespräch holen, bevor das Lastenheft in den Antrag wandert.
Lohnt sich der Aufwand überhaupt noch?
Für Vorhaben unter 5.000 Euro meistens nicht. Ein Kredit über 3.000 Euro für zwei Laptops macht bei der Hausbank mehr Arbeit, als er spart. Hier reicht die Abschreibung über ein Jahr.
Zwischen 5.000 und 50.000 Euro wird es interessant, vor allem mit einer BAFA-geförderten Beratung vorweg. Die zwingt dazu, das Projekt sauber zu beschreiben, und dieses Papier hilft später beim Kreditgespräch. Über 50.000 Euro lohnt sich der Blick auf den KfW-Kredit in Stufe 2 mit Zuschuss oder auf Berlin Kredit Transformation, falls das Vorhaben auch Nachhaltigkeitskriterien erfüllt.
Dein nächster Schritt: Melde dich für den kostenlosen Online-Workshop „Förder- und Finanzierungsworkshop“ der IBB an und bring die zwei Sätze aus Schritt 1 mit. Was es zu Kasse und IT-Sicherheit sonst noch zu wissen gibt, steht in den Rubriken Förderung und Betrieb.
Häufige Fragen
Gibt es 2026 einen Nachfolger für die Digitalprämie Berlin?
Nein. Die IBB verweist auf ihrer alten Programmseite auf den Berliner InvestitionsBONUS, und der ist inzwischen ebenfalls beendet. Ein neues Landesprogramm mit pauschalem Digitalisierungszuschuss war bis Oktober 2026 nicht veröffentlicht.
Kann ich mir eine neue Website fördern lassen?
Als reiner Zuschuss für eine Firmenwebsite ist uns aktuell kein Berliner Programm bekannt. Möglich ist eine geförderte Beratung über das BAFA, etwa für das Konzept, oder ein KfW-Kredit, wenn die Website Teil eines größeren Digitalisierungsvorhabens ist.
Darf ich schon anfangen, bevor die Förderung bewilligt ist?
Fast nie. Beim BAFA gilt schon der unterschriebene Beratungsvertrag als Beginn, und dann gibt es keinen Zuschuss mehr. Beim Transfer BONUS darf das Projekt erst nach der Bewilligung starten, und schon die Annahme des Angebots zählt als Beginn.
Wer berät in Berlin kostenlos zu Fördermitteln?
Die Kundenberatung der IBB, die Förderberatung der IHK Berlin, die Beratungsstelle für Innovation und Technologie der Handwerkskammer und die landesfinanzierte Digitalagentur Berlin. Alle vier kosten nichts.